Schauspielerin, Aktivistin, leidenschaftliche Mutter und Großmutter. Matthias Luckwaldt traf Susan Sarandon in New York

Frau Sarandon, Sie haben in Ihrer Karriere oft Mütter gespielt. Eine krebskranke Frau in „Seite an Seite“, oder die kämpferische Löwenmama in „Lorenzos Öl“. Haben diese Rollen Ihr eigenes Muttersein geprägt?

Eher umgekehrt. Ich als Mutter habe den Figuren Leben eingehaucht. Natürlich erweitert jede Rolle das eigene Einfühlungsvermögen. Wenn ich eine Mutter spiele, deren Sohn im Krieg ist, dann identifiziere ich mich mit Müttern, die das erleben. Manchmal so stark, dass ich politisch aktiv werden muss.

Ihre Mutter war eine streng katholische Republikanerin. Wie wurde aus Ihnen eine aktive Feministin?

Keine Ahnung. Vermutlich schon im Kinderzimmer. Als kleines Mädchen habe ich bei meinen Puppen regelmäßig die Kleider getauscht, damit jede mal das schönste an hatte. Ich war früh eine Sozialistin. 

Wie würden Sie die Beziehung zu Ihrer Mutter heute beschreiben?

Jetzt, mit ihren 95 Jahren, findet meine Mutter mich großartig. Sie ist nach wie vor Republikanerin und hat dementsprechend ganz andere Ansichten. Ich glaube, früher hat sie sich oft gewünscht, dass ich einfach mal die Klappe halte. 

Wie ging es dann weiter?

Als Teenager erlebte ich die Zeit des Vietnamkrieges und der Bürgerrechtsbewegung hautnah mit. Wenn du damals als junger Mensch auch nur ein bisschen Grips im Kopf hattest, musstest du politisch aktiv werden. Das ging gar nicht anders. 

Wollten Sie dieses Engagement an Ihre Kinder weitergeben?

Ich war oft auf Demos. Und wenn ich keinen Babysitter hatte, sind meine Kinder eben mitmarschiert. Später gab ich ihnen den Freiraum, selbst zu entscheiden, ob und wofür sie sich einsetzen wollten.

Eifern Ihre Kinder Ihnen nach?

Mein jüngster Sohn Miles hat im Wahlkampf von Bernie Sanders Flyer verteilt. Und Jack ist in der kalifornischen Politik aktiv, besonders im Umweltschutz. Nur meine Tochter Eva ist mit ihrer Familie dem Großstadttrubel entflohen und führt von zuhause den Mami-Blog „Happily Eva After“. Sie geht ihren Weg, der eben anders ist als meiner.

Enttäuscht Sie das?

Ich habe mich damit arrangiert. Eva ist ein liebenswerter Mensch und führt eine tolle Ehe. Das ist in meinen Augen schon viel wert. Es macht gar keinen Sinn, sie in irgendeiner Weise politisch zu pushen. Wenn Sie Rat braucht, gebe ihn gern. Ansonsten bin ich einfach nur die glückliche Großmutter auf Besuch.

Sie haben zwei Enkelkinder. Wie fühlt es sich an, Großmutter zu sein?

Ich habe seltsamerweise erst da realisiert, wie sehr ich meine eigenen Kinder vermisse. Ich schneide ihnen nicht mehr das Fleisch klein. Wir fahren nicht mehr in den Familienurlaub, tanzen ausgelassen. 

Sie sind das Gesicht für den neuen Duft „Sunlight Eau de Parfum Lumière“ von Jil Sander. Ein Parfüm für starke Frauen, Mütter und Großmütter?

Der Auftakt ist mit rosa Pfeffer ziemlich energiegeladen. Zusammen mit Amber und den süßen Noten von Alpenveilchen bekommt der Duft eine richtig sexy Aura. Ich finde übrigens, dass alle Mütter stark sind!

Wegen der schweren Entbindung?

Nein, die Geburt ist lediglich so ein Sci-Fi-Event. Aber für die Erziehung brauchst du mehr Stärke und Kreativität als in jedem anderen Job.

Foto: Jil Sander/Coty

Dieses Interview erschien erstmals im Februar 2019 in BARBARA, Ausgabe „Viva La Mama“.