Matthias Luckwaldt traf Topmodel und Schauspielerin Amba Valletta zum Launch ihrer Make-Up-Linie in Mailand

In den Neunzigern gehörte Amber Valletta zur Riege der internationalen Supermodels. Sie schaffte es insgesamt 13 Mal das Cover der US-Vogue und lag damit nur kurz hinter Spitzenreitern Claudia Schiffer. Seit einigen Jahren ist die Mutter eines 18-jährigen Sohnes auch als Schauspielerin aktiv. Im Serienhit „Revenge“ spielte sie die reiche Lydia Davis. Aktuell produziert Amber Valletta einen Kurzfilm über Nachhaltigkeit in der Modebranche.

Sie sind gerade 45 geworden. Was haben Sie sich für das neue Lebensjahr vorgenommen?

Mich endlich besser um mich selbst kümmern. Das klingt vielleicht etwas egoistisch, aber mit 45 bin ich eben nicht mehr die Jüngste. Ich spüre, das ist einer dieser Wendepunkt, den ich sinnvoll nutzen sollte.

Gibt es etwas, dass Sie am Älterwerden so richtig ärgert?

Ja. Menschen zu verlieren, dich ich liebe. Zum anderen die ganze Unsicherheit, die mit dem Altern verbunden ist. 

Sie werden sicherlich häufig für Kooperationen angefragt. Warum diese?

Hier konnte ich aktiv mitgestalten und sollte nicht nur meinen Namen auf eine rosarote Verpackung schreiben. So habe ich die Wimperntusche gleich mehrfach zurückgehen lassen, weil mir die Konsistenz oder das Bürstchen einfach nicht gefielen.

Ihre Linie besteht nur aus natürliche Farben. Hatten Sie keine Lust auf Smokey Eyes, Glitzer-Lider oder knallrote Münder?

Ich bin beim Schminken ziemlich ungeschickt. Wenn ich Cat Eyes will, muss ich einen Make-up Artist anheuern [lacht]. Mit einem natürlichen Look fühle ich mich selbst am wohlsten. Daher passen die Produkte so gut zu mir. Jede Frau, unabhängig von Alter und Hautton, soll einfach und spielerisch damit umgehen können.

Und wie sieht Ihre tägliches Hautpflege-Ritual aus?

Ich bin eine große Verfechterin von Cremes mit aktiven Wirkstoffen wie Vitamin C, Retinol, Fruchtsäuren und Hyaluron. Die trage ich allerdings nur zur Nacht auf. Für den Tag reicht mir eine einfache Feuchtigkeitspflege mit Lichtschutz. Und ich liebe Vliesmasken. 

Als Sie 1992 zum ersten Mal das Cover der US-Vogue zierten, war die Medienwelt eine ganz andere. Heute müssen Topmodel nicht nur ein gutes Aussehen sondern auch ein paar Millionen Instagram-Follower mitbringen. Möchten Sie noch einmal 18 sein?

Unbedingt! Aber bitte wieder in den Neunzigern. Ich respektiere die jungen Models, habe aber eine gespaltene Meinung über die sozialen Medien. Einerseits besteht durch Instagram die Gefahr, dass wir alle zu Narzissten werden, andererseits kann das Internet fantastische Dinge bewirken. Denken Sie nur an die politischen Umbrüche in Ägypten. Ich selbst könnte tagelang ohne Handy auskommen. Den Computer brauche ich eigentlich nur, um mir die neueste Folge des „Bachelors“ anzuschauen [lacht].

Seit knapp zehn Jahren sehen wir sie immer häufiger als Schauspielerin. In gleich mehreren Serien, u.a. in „Revenge“, haben sie eine High-Society-Lady gespielt. Eine Rolle, die Ihnen auf den Leib geschnitten ist?

Nein. Eigentlich wollte ich „Revenge“ absagen, wenn mich mein Agent nicht bekniet hätte … Ich hatte Spaß beim Drehen, konnte die Rolle der Lydia Davis aber nicht ausstehen. Das ist kein Frauentyp, den ich gern verkörpere. Viel lieber würde ich eine Prostituierte spielen, die ihre Familie mühevoll ernähren muss oder drogenabhängig ist. Bizarr aber mit Tiefgang.

Dieses Interview erschien 2019 in Gala.

Foto: © Glenn Francis, www.PacificProDigital.com